Nächstes Mal vielleicht doch lieber Tatort?

Es gibt immer wieder Auswärtsfahrten, bei denen man sich noch in der Halle denkt: Satz mit X das war nix. In diese Kategorie kann man auch den Trip dreier Motivierter nach Gießen einordnen. Durchschnittliche Fahrt, keine besondere Halle, miese Stimmung und eine sang- und klanglose Niederlage versauten den Sonntagnachmittag.

Welcome to the 60ies

Doch der Reihe nach. Nachdem die von zähem Verkehr geprägte Anfahrt hinter den Reiselustigen lag, versorgte man sich in einer örtlichen Globalisierungsfiliale noch kurz mit ein paar Kalorien, ehe es in die altehrwürdige Sporthalle Gießen Ost ging. Der Bundesligatempel der Gießen 46ers wartete mit historischem Ambiente auf, löste aber dennoch keine ganz großen Gefühle aus. Insgesamt konnte der Bau aus den 1960er Jahren weder durch Imposanz noch wirklich rustikalen Charme überzeugen.

Friedhofsstimmung allez

Restlos enttäuschend verhielt es sich dagegen mit der von den übrigen Besuchern des Spiels erzeugten Stimmung. Ja es ist nur die zweite Mannschaft, ja am Vorabend spielte die Erste in der BBL und ja wir sind eine Ausbildungsliga. Aber nur 227 Zuschauer und wirklich null Stimmung? Kein einziger Schlachtruf oder irgendwas? Das passte zum eingangs zitierten Sprichwort und wird in der Pro B höchstwahrscheinlich nur vom Frankfurter Hallenfriedhof unterboten. Fast war man froh, dass sich ein knappes Dutzend Teenie-Cheerleader mit glockenhellen Stimmen an so etwas wie Support versuchte. Das sehr begrenzte Repertoire und die Stimmlage der Mädels führten dann aber auch schnell zu entnervt verdrehten Augen und dem innigen Wunsch nach einem belebenden Hallensprecher. Doch die junge Dame verhielt sich leider über volle 40 Minuten äußerst passiv, was an sich zwar wünschenswert, aber in Kombination mit den trägen Heimfans der letzte Nagel im Sarg war.

Nahe dran am Hallenverbot

Auf der Habenseite war in puncto Stimmung aber leider auch nicht viel zu verbuchen. Da zu dritt ohnehin nicht an klassischen koordinierten Support zu denken war, verlagerte man den Schwerpunkt eher auf individuelle rhetorische Einwürfe. Im Zuge dessen kam es dann zum einzigen „Höhepunkt“ des Abends, als man kurz nach Beginn des vierten Viertels von einer sichtlich peinlich berührten Security dazu aufgefordert wurde, die vereinzelten Schlachtrufe doch bitte zu unterlassen. Was sich wie ein schlechter Scherz anhörte, wurde dank der Androhung eines sofortigen Hallenverweises zügig eine ernste Angelegenheit, deren Hintergrund offensichtlich ein Missverständnis war.

Ursprung des Problems war die ehrenamtliche Betreuung eines testweisen Livestreams durch die anwesenden Gäste. Offenbar war man ob der formalen Anmeldung an der Tageskasse mehr oder weniger als neutrale Vereins- bzw. Pressevertreter eingestuft worden. Dass es sich bei den anwesenden Dresdnern aber eben nicht um Vereinsangestellte oder gar Dienstleister, sondern um emotionale Fans handelte, war in der Form wohl einfach nicht einkalkuliert. So oder so fuhr man die Support-Aktivitäten anschließend noch ein Stück runter und umging am Ende einen Platzverweis, der im Härtefall vielleicht sogar langwierige Sorgen à la Hallenverbot hätte bedeuten können.

Mit arg gedämpfter Laune ging es nach der dürftigen 66:79-Niederlage und kurzer Verabschiedung der Mannschaft zurück zum fahrbaren Untersatz und auf die knapp 500 Kilometer lange Rückreise in die sächsische Heimat. Noch vor dem Tageswechsel erreichte man die gewohnten Gefilde und beendete den erfolglosen Trip.

Dupant Gießen 46ers Rackelos – Dresden Titans (79:66)
15. Spieltag, 2. Bundesliga Pro B
Zuschauer: 227
Gäste: 3